Alle Neuigkeiten aus dem Erfurter Zoopark

28.02.24: Fällung Blauglockenbaum unumgänglich

Schweren Herzens müssen wir uns von unserem Blauglockenbaum am Nashornhaus trennen. Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Über die letzten Jahre musste immer mehr Totholz entfernt und Pflaster ausgebessert werden, was uns zu einer erweiterten Untersuchung des Baumes veranlasste. Das Baumgutachten spricht leider eine deutliche Sprache, so dass der Blauglockenbaum heute im Sinne der Sicherheit für Mensch und Tier gefällt werden musste.

Die Paulownia befindet sich, laut des beauftragten Baumgutachters, in einer viel zu klein bemessenen und zum Teil durch Betonelemente stark eingegrenzten Baumscheibe, welche nicht nur im Durchmesser, sondern auch in der Tiefe nicht ausreichend Platz für eine ordentliche Verankerung der Wurzeln im Boden bietet. Resultierend aus dem Gut­achten wurde der Blauglockenbaum auf seine Standsicherheit überprüft. Das Ergebnis dieser Prüfung ergab, dass der Baum nicht standsicher und somit auch nicht verkehrs­sicher ist. Ein Rückschnitt könnte die Stand- und Verkehrssicherheit ebenfalls nicht garantieren und würde den Baum nachhaltig schädigen.

Aufgrund zahlreicher guter Eigenschaften des Blauglockenbaums haben wir bereits mehrere Bäume nachgepflanzt. Ein Exemplar befindet sich auf der Festwiese und ein anderer Baum wurde vor dem Teich an der Zooschule gepflanzt. Weitere Bäume stehen bei unserem Gärtnerteam in den Startlöchern. Bezüglich des Nashornhauses arbeiten wir an einer guten Lösung für eine zukünftige Beschattung und Bepflanzung.

Der Blauglockenbaum, auch bekannt als Paulownia, Kiri- oder Kaiserbaum, ist ein attrak­tiver wie bienenfreundlicher Park- und Zierbaum, der zu den beeindruckendsten und am schnellsten wachsenden Bäumen gehört. Besonders auffällig sind seine blauvioletten, nach Veilchen duftenden Blüten und die gewaltigen herzförmigen Blätter. Die großen Blätter binden Schadstoffe, verbessern die Luftqualität, verrotten schnell und reichern den Boden mit Humus an. Die Paulownia ist trockentolerant, unempfindlich gegenüber Schädlingen und gut an den Klimawandel angepasst. Durch die aufgrund des schnellen Wachstums deutlich schnellere CO²-Speicherung wird die Paulownia dem Ruf des Klima­baums mehr als gerecht. Sie bindet innerhalb von 20 Jahren mehr als 1.000 kg Kohlen­stoffdioxid; eine Eiche verbraucht im selben Zeitraum rund 26 kg. Auch die Toleranz gegenüber Hitze und Trockenheit kann in Zeiten des Klimawandels einen entscheidenden Vorteil bieten.

23.02.24: Nachwuchs bei den Keas

Nadea und Maurice, unser Kea-Zuchtpaar, hat erneut erfolgreich gebrütet. Vier Küken tummeln sich in der Nisthöhle, sie schlüpften am 9., am 10. sowie am 12. Februar. Die erfahrenen Elterntiere kümmern sich sehr gut um ihren Nachwuchs, der wohlauf und gut genährt ist.

Bis die vier Keas erstmals die Voliere erkundet, werden noch ein paar Wochen vergehen. Papageienvögel kommen nackt und schutzlos auf die Welt, sie sind auf Wärme und Futterbrei ihrer Eltern angewiesen. Aktuell haben die jungen Keas ein zartes Flaumfe­derkleid, in welchem sich langsam erste Federkiele zeigen. Vögel entwickeln sich in den ersten Wochen rasant. Während das älteste der vier Küken bereits die Augen öffnet, ist das zuletzt geborene Küken deutlich kleiner und die Augenlieder sind geschlossen.

Maurice trägt emsig Futter von der Außenvoliere zur Nisthöhle, damit Nadea und der Nachwuchs optimal versorgt sind. Nadea lässt sich nur selten in der Voliere sehen, die meiste Zeit verbringt sie mit ihren Küken. Bei der Aufzucht der Jungen werden die Elterntiere durch zusätzliche Futtergaben unterstützt. Kontrollen durch die Bereichs­pfleger und die Tierärzte erfolgen so wenig wie möglich und so viel wie nötig.

Ende März/Anfang April findet der erste große Check-Up-Termin des Tierarztes statt, dabei wird den Jungvögeln Blut abgenommen, sie erhalten eine erste Impfung und einen Transponder. Außerdem wird ihnen eine Feder gezogen, um per DNA-Test das Geschlecht bestimmen zu lassen. Diese Vorgehensweise ist üblich, da sich männliche Keas äußerlich nicht von ihren weiblichen Artgenossen unterscheiden. Erst danach wird es die Möglichkeit geben, über die Zoopark-Stiftung eine Patenschaft zu übernehmen.

Der Thüringer Zoopark Erfurt hält seit 2014 Keas (Nestor notabilis). Die in ihrer ur­sprünglichen Heimat Neuseeland stark gefährdeten Vögel sind ausgesprochen intelli­gente Papageien, die ein ausgeprägtes Sozial- und Spielverhalten zeigen und mit ihren Schnäbeln alles erkunden. Keas brauchen sehr viel Abwechslung. Deshalb landen immer wieder Dinge wie Kartons, Papprollen, Spielzeug und Holz in ihrer Anlage, die sie nach Herzenslust erkunden und zerlegen können.

01.02.24: Kleiner Kletterkünstler mit großer Aufmerksamkeit - der Gecko ist Zootier des Jahres

Im Aquarium des Kölner Zoos wurde gestern das Zootier des Jahres 2024 vorgestellt – der Gecko. Da die Bestände vieler Geckoarten akut gefährdet sind und immer weiter abnehmen, sollen die Geckos nun ein Jahr lang im Rampenlicht stehen. Der Thüringer Zoopark Erfurt ist seit vielen Jahren fester Partner des Kimboza-Forest-Projektes zur Rettung des Himmelblauen Zwergtaggeckos – einem der Fokustiere der diesjährigen Kampagne.

Zu Pulver zermahlen, als Tee aufgebrüht oder in Alkohol eingelegt – so endet manch Gecko und wird damit Opfer eines Aberglaubens, welcher den Tieren besondere Heilkräfte zuschreibt. Dafür gibt es keinerlei wissenschaftliche Beweise, doch die Nachfrage nach diesen vermeintlichen Medikamenten steigt dramatisch.

Generell sind Geckos mit einer Vielzahl unterschiedlicher Bedrohungen konfrontiert. Diese reichen von der Verschmutzung und dem Verlust des Lebensraumes, Schäden durch invasive Arten, dem Klimawandel bis hin zur übermäßigen Absammlung für den Heimtierhandel oder der Verwendung in der traditionellen asiatischen Medizin und als Delikatesse. Dabei faszinieren diese Reptilien uns Menschen, wenn sie sich mit speziellen Haftlamellen an den Zehen hervorragend auf glatten Flächen wie Blättern oder sogar Glas, sicher fortbewegen.

Viele Geckoarten haben nur kleine Verbreitungsgebiete und sind auf bestimmte Faktoren in ihrem Lebensraum angewiesen. Das Verbreitungsgebiet der Himmel­blauen Zwergtaggeckos etwa umfasst den gerade mal 4 km² großen Kimboza-Wald sowie zwei angrenzende kleine Gebiete in Tansania. Dort bedrohen Waldbrände und invasive Pflanzen die Geckos. Denn Himmelblaue Zwergtaggeckos sind für ihr Über­leben auf Pandanuspalmen angewiesen, die durch invasive Pflanzen verdrängt und durch Feuer zerstört werden.

Um den im Fokus stehenden Geckoarten zu helfen, werden mit den Kampagnen­geldern neue Schutzgebiete aufgebaut, Erhaltungszuchtstationen etabliert, Öffent­lichkeitsarbeit betrieben, Waldbrandschneisen angelegt und Ausrüstungsgegen­stände sowie Transportmittel für die Projektteams finanziert.

Eine Verknüpfung von In-situ- (im Lebensraum) und Ex-situ-Maßnahmen (in der Hal­tung) hat sich als besonders wirksam für einen effektiven Artenschutz herausgestellt. Projekte vor Ort, Behörden und zoologische Gärten müssen hierbei Hand-in-Hand arbeiten. Die IUCN (Internationale Union zur Bewahrung der Natur) verdeutlicht im neuen Positionspapier die Schlüsselrollen, die Zoologische Gärten an der Schnitt­stelle zwischen der Erhaltung in den Zoos und im ursprünglichen Lebensraum spielen.

2023 erfolgreiches Jahr für das Kimboza Forest Projekt

Im Jahr 2023 wurden allein im Thüringer Zoopark Erfurt 2749,19 Euro Spen­dengelder für das Kimboza Forest-Projekt gesammelt. Neben dem Spenden­trichter im Nashornhaus waren es auch Spenden und Erlöse zu Zooparkveran­staltungen, durch die diese hohe Summe zusammenkam. Mit dem Geld wird das Erhaltungsprojekt für den Himmelblauen Zwergtaggecko unterstützt und erweitert.

Der Himmelblaue Zwergtaggecko Lygodactylus williamsi ist fast ausgerottet. Er ist endemisch in Tansania und sein größtes Refugium – der Kimboza-Wald – umfasst gerade noch 4 km². Dieser Wald ist der artenreichste Tieflandregen­wald in Tansania. Ein Restbestand, der durch illegale Abholzung, dem Vordrin­gen einer invasiven Baumart und durch Waldbrände bedroht ist. Der Gecko pflanzt sich ausschließlich auf einer einzigen Baumart fort: der Pandanus-Palme. Diese wächst nur auf ca. 17 Prozent der Fläche im Kimboza-Wald, so dass der tatsächliche Lebensraum noch kleiner als die Waldfläche ist.

Der Thüringer Zoopark Erfurt, die Vivaristische Vereinigung e. V. und die Zoo­logische Gesellschaft für Arten und Populationsschutz (ZGAP) haben deshalb im August 2020 eine Kampagne und ein Projekt begonnen, den Gecko und sei­nen Wald zu erhalten. Das Projekt wird vor Ort von Dr. Charles Kilawe geleitet und wissenschaftlich durch die Sokoine Universität begleitet. Durch das Pro­jekt werden Waldbrandschneisen freigehalten, nicht-einheimische Bäume aus dem Regenwald entfernt und Patrouillen gegen Wilderei und illegalen Holzeinschlag durchgeführt.

Das erfolgreiche Projekt wurde 2023 erweitert. Es gibt jetzt zwei Rundwander­wege mit Infotafeln zu Besonderheiten. Der Ökotourismus soll 2024 weiter ausgebaut werden. Eine Baumschule wurde ebenfalls neu gebaut. 2023 wur­den allein 1800 einheimische Bäume und Pandanus-Palmen gepflanzt und der Wald renaturiert. Weitere Flächen sollen 2024 wieder aufgeforstet werden.

Sämtliche Arbeiten werden durch Menschen der umgebenden Dörfer durchgeführt und vom Projekt bezahlt. Sie wollen mithelfen? Kontakt und Infos zum Projekt gibt es beim Thüringer Zoopark Erfurt unter heike.maisch@erfurt.de.

Die Kampagne „Zootier des Jahres“

Die „Zootier des Jahres“- Artenschutzkampagne wurde 2016 mit dem Ziel ins Leben gerufen, sich für stark gefährdete Tierarten einzusetzen, die nicht so bekannt sind und deren Bedrohung bisher nicht oder kaum im Fokus der Öffentlichkeit steht. So konnten in der Vergangenheit beispielsweise wichtige Projekte für den Erhalt von Rotohraras in Bolivien, Scharnierschildkröten in Kambodscha oder Java-Pustelschweine in Indonesien realisiert werden. Bei den Bemühungen, die gesteckten Ziele für die im Fokus stehenden Arten zu erreichen, wird die ZGAP von ihren Partnern der Gemeinschaft der Zooförderer (GdZ), der Deutschen Tierpark-Gesellschaft (DTG) und dem Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) unterstützt.

Mit den Kampagnengeldern werden verstärkt Schutzmaßnahmen für verschiedene Geckoarten in Vietnam und Tansania umgesetzt und Umweltbildungsmaßnahmen gestartet. Spendengelder, die im Laufe dieses Jahres gesammelt werden, verstärken die Reichweite der Aktivitäten. In mehreren Regionen Vietnams werden etwa neue Erhaltungszuchtstationen errichtet oder bestehende Haltungen erweitert. In Tansania wird mit den Kampagnengeldern ein neues Schutzgebiet ausgewiesen und aufgebaut, um den Lebensraum der Himmelblauen Zwergtaggeckos zu vergrößern und die bisher getrennten Geckopopulationen wieder zusammenzubringen.

Weitere Informationen: https://zootierdesjahres.de/

29.01.24: Erster Nachwuchs in diesem Jahr - vier Kaschmirziegen geboren

Erster Kaschmirziegennachwuchs im Zoopark Erfurt. Die Freude war groß, als die beiden Kaschmirziegen Nara und Sharina, die seit August 2022 im Zoopark Erfurt leben, am Montag und Mittwoch jeweils zwei gesunde weibliche Jungtiere zur Welt brachten. Mittlerweile sind die kleinen Zicklein so fit, dass sie stundenweise die Außenanlage erkunden.

Unsere Kaschmirziegen leben auf dem Plateau – direkt gegenüber den Haus-Yaks und Hissarschafen, zwei weiteren asiatischen Haustierrassen – in unmittelbarer Nähe zum Spielplatz. Kaschmirziegen sind sehr neugierig, verhalten sich gegenüber Men­schen im Vergleich zu anderen Ziegenrassen jedoch eher zurückhaltend. Sie kommen zwar gerne auf Menschen zu, eignen sich aber nicht als Streicheltiere.

Kaschmirziegen stammen aus den ariden Hochgebirgssteppen Zentralasiens. Sie gehören keiner einzelnen Rasse an, vielmehr bilden sie eine Rassegruppe mit dem gemeinsamen Merkmal der feinen Unterwolle. Es handelt sich um klein-bis mittel­rahmige Ziegen mit Schlappohren. Die Böcke tragen lange, nach außen drehende imposante Hörner, Ziegen kleine sichelförmige. Sie ernähren sich von Gräsern, Flechten, Moos und Kräutern.  

Die natürlichen Farben des prächtigen Fells von Kaschmirziegen sind weiß, grau, braun und schwarz. An die extreme Kälte ihrer Heimat in den Wintermonaten haben sich die Kaschmirziegen im Laufe der Zeit natürlich angepasst. Die Tiere schützen sich mit einem lockeren Vlies aus langem und relativ grobem Haar, dem sogenannten Grannenhaar. Darunter wächst ein sehr weiches, feines, glattes und wärmendes Flaumhaar, das Duvet. Dieses Flaumhaar kann zur edelsten Wolle der Welt verarbeitet werden: Kaschmir.   

Durchschnittlich produziert eine Kaschmirziege nur ca. 150 bis 400 Gramm Flaum­haar pro Jahr. Die Frage, warum Kaschmir so teuer ist ergibt sich aus der natürlichen Knappheit der Faser und der großen Nachfrage. Für die Herstellung eines Pullovers aus reinem Kaschmir wird der jährliche Ertrag von 2 bis 5 Tieren benötigt. Zum Vergleich: Aus dem Ertrag an Schafwolle von einem Tier lassen sich durchschnittlich gut 10 Pullover produzieren.

Die Kaschmirziege stammt aus den Hochgebirgssteppen Zentralasiens, wo sie in kleinen Gruppen lebten. Die edle Wolle, die im Frühjahr ausgekämmt werden kann, ist den Tieren zum Verhängnis geworden. Heute leben die meisten Tiere in großen Farmen insbesondere in der Mongolei und in China aber auch in Australien, Neusee­land und Schottland. Die oft rücksichtslosen Methoden der Wollgewinnung in eini­gen Ländern stehen zu Recht in der Kritik von Tierschutzorganisationen. Darüber hinaus führt die massenhafte Haltung zu einer massiven Überweidung, so dass die abgegrasten Flächen zunehmend verwüsten.  

Wenn Sie sich für eine Tierpatenschaft interessieren, wenden Sie sich bitte an die Thüringer Zoopark-Stiftung: www.zooparkstiftung-erfurt.de/patenschaften  

26.01.24: Positive Jahresbilanz: 26 neue Tierarten, 1 Tieranlage eingeweiht, zwei Anlagen im Bau und weitere in der Planung

Der Jahreswechsel im Thüringer Zoopark Erfurt wird traditionell von einer Inventur begleitet. Tiere werden gezählt, die Besucherstatistik ausgewertet, ebenso wie Zooschulkurse und Führungen. Pläne für das neue Jahr werden konkretisiert.

Dem Zoopark Erfurt steht ein in mehrfacher Hinsicht spannendes Jahr bevor: ein neuer Direktor/-in wird per Ausschreibung gesucht, mehrere Baumaßnahmen sind in Vorbereitung, die Betreibung der Gastronomie wurde ausgeschrieben, mit der Stadt­verwaltung und dem Stadtrat wird um einen dauerhaften Investitionszuschuss gerungen.

Rückblick auf 2023

Insgesamt konnte der Zoopark Erfurt im vergangenen Jahr 302.752 Besuche zählen, davon 239.444 Tageseintritte, 61.638 Eintritte mit Jahreskarte und 1.670 sonstige Besucher, hauptsächlich Gäste der Villa. 4038 Gäste brachten ihren Hund mit, denn Hunde sind im Zoopark immer willkommen.

Die Angebote der Zoo- und Naturschule erfreuten sich großer Beliebtheit und werden weiter ausgebaut. 4106 Kinder und Jugendliche nahmen die Angebote des Zooschul­teams wahr. Insgesamt wurden 219 Kurse des BNE-zertifizierten außerschulischen Lernortes gebucht. Der beliebteste Kurs im Kitabereich war das Zooschulangebot zum Thema „Heimtiere“ mit 17 Buchungen. Die beliebtesten Kurse im Schulbereich waren die Kurse „Tiere im Zoo“ sowie „Die Sinne der Tiere“ mit 21 bzw. 18 Buchungen. Auch die Führungen sind gefragt. In Summe wurden 202 Führungen gebucht, darunter 94 Fachführungen sowie, im Rahmen von Geburtstagen, 69 Mal die sogenannte „Riesen­runde“. Hinzu kommen Sonderformate wie die Führungen mit Rangerin Frau Schmidt oder auch Taschenlampenführungen.

Traditionell beendet der Thüringer Zoopark das Jahr mit einer Inventur. Dank des großen Engagements des Kuratorenteams, hatte die Belegschaft zum Jahresende 2023 einen größeren und artenreicheren Tierbestand zu zählen: 1088 Tiere (+ 287 Tiere) in 157 Arten (+ 26 Arten) leben derzeit im Zoo: 391 Säugetiere, 305 Wirbellose, 170 Vögel, 85 Reptilien, 63 Amphibien und 74 Fische. Zu den neuen Tieren zählen ne­ben acht neuen Fischarten (insb. Salmler, Barsche und Welse), Riesentausendfüßler, Riesenvogelspinnen, Seidenspinnen, Pferdekopfschrecken, Zwergbartagamen sowie acht neue Vogelarten und sechs Säugetierarten. Insgesamt haben die Tiere im Zoo­park Erfurt 250 Tonnen Heu, 186 Tonnen Gras, 10 Tonnen Stroh, 6,7 Tonnen Rind­fleisch, 8 Tonnen Äpfel, 11.750 kg Möhren, 102 kg Mehlwürmer, 33.000 Heuschre­cken, 6.030 Eier und vieles mehr gefuttert.

Im Juli wurde die neue Gepardenanlage eingeweiht und so das ehemalige Giraffenhaus in eine neue Nutzung überführt. Die Geieranlage kam in die Kur, die Loris erhielten eine neue Scheibe, die neue Sittichanlage ist auf der Zielgerade, die Sumpfwallaby-Anlage ebenso. Außerdem haben die Planungen für die Erweiterung der Tierarztpraxis, den Neubau der Zoo- und Naturschule sowie der Rote Panda-Anlage Fahrt aufgenommen. 

Ausblick auf 2024

Auch im Jahr 2024 wird der Zoopark Erfurt im Sinne des Tierwohls zunehmend auf Gemeinschaftshaltung setzen. Die Vergesellschaftung von Arten aus dem gleichen Lebensraum trägt zu einer naturnahen Haltung bei – davon profitieren nicht nur die Tiere, sondern auch die Besucher, für die der Zoobesuch interessanter wird. Aktuelles Beispiel für eine geplante Gemeinschaftshaltung ist die Rote Panda-Anlage. Durch einen grundständigen Umbau des Bereichs der Kaschmirziegen, wird dieser vergrö­ßert und um den Lebensraum Baum – das Reich der Roten Pandas – erweitert.

Weitere in Planung befindliche Baumaßnahmen sind die Tierarztpraxis sowie die Zoo- und Naturschule. Ein weiterer wichtiger Punkt auf der Prioritätenliste des Zoo­parks ist die energetische Sanierung des Nashornhauses, welche zugleich mit einem Mehrwert für Mensch und Besucher einhergehen soll. Überhaupt ist das ein wichtiger Punkte: Wenn Geld für eine Sanierung im Bestand in die Hand genommen wird, soll diese im Ergebnis mit einer sichtbaren Verbesserung einhergehen.

Welche Variante des Nashornhauses letztlich gebaut wird, hängt von den Investi­tionszuschüssen der Stadt Erfurt ab. Ebenfalls abhängig von den Investitionszuschüs­sen der Stadt, ist die Planung und der Bau der Erweiterung der Afrikasavanne. Die Erweiterung würde nicht nur die Bedingungen für die in Erfurt lebenden Zebras und Antilopen verbessern, sie hat auch zum Ziel, die Rückkehr der Giraffen an den Roten Berg zu ermöglichen.

Die Veranstaltungsplanung für 2024 läuft auf Hochtouren. Aktuell werden die Ver­anstaltungen auf der Webseite eingepflegt. Auch in 2024 wird es wieder eine Open Stage auf dem Plateau geben, für die man sich bewerben kann und auf der es den ge­samten Sommer über Programm geben wird. Es sind vier Entdeckertage geplant: Ele­fanten, Gecko, Raubtiere und Artenschutz. Zu den großen Veranstaltungen zählen Ostern, ein Frühlingsfest am 28. April, ein Kinderfest am 2. Juni, das Zooparkfest am 24. August, ein Erntedankfest am 6. Oktober sowie unsere Halloween-Woche ab dem 25. Oktober. Außerdem wird es regelmäßige Führungen, Abendsafaris und Vorträge geben sowie die eine oder andere Überraschung. Genauere Informationen zum Veranstaltungsjahr folgen in Kürze.

Nicht unerwähnt bleiben soll die gastronomische Versorgung im Zoopark Erfurt. Im vergangenen Jahr fand ein Interessenbekundungsverfahren für die Neuausrichtung der gastronomischen Einrichtungen des Thüringer Zooparks Erfurt statt. Es gab mehrere Bewerber, so dass auch hier in Kürze weitere Informationen folgen.

Zahlen, Daten, Fakten

Mit fast 63 Hektar Fläche ist der Thüringer Zoopark Erfurt der drittgrößte wissen­schaftlich geleitete Zoo Deutschlands. Er beherbergt mehr als 1000 Tiere aus Welt in knapp 160 Arten und ist damit der artenreichste Zoo Thüringens. Die großzügig gestalteten Anlagen sind dem natürlichen Lebensraum der Tiere nachempfunden. Viele davon sind auch für unsere Besucher begehbar.

Der Thüringer Zoopark Erfurt ist Mitglied in der EAZA (European Association of Zoos and Aquaria), dem VdZ (Verein der Zoologischen Gärten e. V.), der ZGAP (Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V.) und wurde 2022 ausgezeichnet mit dem BNE-Siegel (Thüringer Qualitätssiegel Bildung für nachhaltige Entwicklung).

Übrigens …

Genau heute vor einem Jahr fasste der Erfurt Stadtrat mit großer Mehrheit den Beschluss zum „Erhalt des Thüringer Zooparks Erfurt als überregionale Erholungs-, Kultur- und Bildungsstätte“ und forderte darüber hinaus Stadtverwaltung und Zoo­parkleitung auf, den Zoopark als Ort der Natur- und Umweltbildung weiter zu etab­lieren, das vorhandene Entwicklungskonzept fortzuschreiben sowie Potentiale aufzuzeigen.

Dass der Thüringer Zoopark Erfurt Potential hat, steht außer Frage. Auch, dass diese Potentiale von der Stadtspitze und den Stadträten erkannt wurden. Insofern bleibt der Dank der Werkleitung für das Interesse und Engagement des Werkausschusses Zoo und die an den Stadtrat gerichtete Hoffnung auf die Etablierung eines dauer­haften Investitionszuschusses für den Thüringer Zoopark Erfurt. 

23.01.24: Gut investiert - Thüringer Zoopark Erfurt profitiert von Klimapaktmitteln

Der Thüringer Zoopark Erfurt konnte Ende 2023 eine Summe von 743.062 Euro aus Mitteln des Klimapaktes abrufen, Geld, das gut investiert wurde und wird. Auch für das Jahr 2024 wurden Mittel angemeldet. Ob und inwieweit diese ausgezahlt werden können, hängt von der Fortsetzung der Zuweisung durch das Land Thüringen ab. Am heutigen Dienstag informierte der Zoopark Erfurt gemeinsam mit dem Umwelt- und Naturschutzamt, Abteilung strategische Umweltplanung und Nachhaltigkeits¬management, über die Verwendung der Klimapaktgelder im Zoo.

„Die Klimapaktgelder sind im Thüringer Zoopark Erfurt gut angelegt“, sagt Andreas Horn, der Beigeordnete für Sicherheit, Umwelt und Sport. „Wir freuen uns sehr, den Zoopark auf diese Weise fördern zu können und gleichzeitig einen Beitrag in Sachen Umweltschutz zu leisten.“ Die an den Zoopark ausgereichten Mittel teilten sich in drei Teilbereiche: Förderung E-Mobilität, Förderung erneuerbare Energien sowie Förderung energetische Sanierung.

Von den 200.362 Euro ausgereichten Mitteln zur Förderung der E-Mobilität wurden ein E-Radlader für das Elefantenhaus, zwei E-Transporter mit Ladefläche für die Bau­abteilung und die Futtermeisterei sowie zwei Wallboxen gekauft. 300.000 Euro flie­ßen in die Förderung erneuerbarer Energien, welche in eine Photovoltaik-Anlage auf dem Bauernhof münden sollen. Ein Teil der Mittel ist bereits in die Vorplanung ge­flossen, die restlichen Mittel werden im laufenden Jahr investiert. Darüber hinaus wurden 242.700 Euro für die energetische Sanierung bereitgestellt, davon fließen 218.000 Euro in die Planung und Sanierung der Tierarztpraxis, die restlichen 24.700 Euro fließen in die Sanierungsplanung für das Nashornhaus. 

„Die finanziellen Spielräume des Zoopark sind gering. Die Fördermittel sind ebenso Ermöglicher wie auch eine große Entlastung, denn sie machen an anderer Stelle Mit­tel für Maßnahmen frei wie beispielsweise den Bau der Rote-Panda-Anlage“, freut sich der für den Zoopark zuständige Beigeordnete für Bau und Verkehr, Matthias Bär­wolff. Im Rahmen des Pressetermins dankte die Zooparkleitung dem Umwelt- und Naturschutzamt für die ebenso gute wie konstruktive Zusammenarbeit, verbunden mit der beiderseitigen Hoffnung auf eine Verstetigung des Klimapaktes und somit der Zuweisung der Gelder an die Kommunen durch das Land Thüringen.

Sofern das Projekt fortgeführt wird, sollen die für 2024 angemeldeten Mittel unter anderem in die energetische Sanierung des Nashornhauses fließen, in einen Wasser­fassanhänger für die Bewässerung der Klimabäume im Zoopark Erfurt und ein Fahr­zeug für die Gärtner, in Photovoltaik sowie zwei Elektroschubkarren für die Tierpfle­ger. „Klimaschutz kostet Geld“, sagt die Leiterin der Abteilung strategische Umwelt­planung und Nachhaltigkeitsmanagement des Umwelt- und Naturschutzamtes Sylvia Hoyer. „Wir freuen uns, wenn wir den Thüringer Zoopark Erfurt auch weiter begleiten können auf seinem Weg in Richtung Klimaneutralität.“   

18.01.24: Winterwunderland im Zoo: Warum sich Besuch bei diesem Wetter lohnt

Mit dem gestrigen Tag hat der Winter Einzug gehalten und den Zoopark Erfurt in eine Winterlandschaft verwandelt, wie man sie aus dem Thüringer Wald kennt. Das weitläufige Gelände liegt unter einer Schneedecke, die Bäume zeichnen bizarre Formen, im Schnee zeichnen sich Spuren von Wildtieren ab und einige unserer Tiere scheinen die weiße Pracht richtig zu genießen. Sie zu beobachten, macht an diesen Tagen besonders viel Spaß.

Unsere Bisons und Yaks strotzen Kälte und Schnee problemlos. Vor allem die Jungtiere des vergangenen Jahres nutzen die Schneemassen und tollen in dem ungewohnten Element. Die Trampeltiere liegen zwar gerne in ihrem Stall, wissen aber durchaus die Vorzüge dieses Wetters in Sachen Fellpflege zu schätzen und wälzen sich im Schnee. Unseren Berberaffen macht das kalte Wetter auch nichts, sie haben dickes Fell, toben sich warm und genießen den warmen Tee, der ihnen in diesen Tagen gereicht wird.  

Wenngleich viele Tiere ihre warmen Ställe und Häuser zu schätzen wissen oder unter der Wärmelampe liegen, sind sie dennoch neugierig und erkunden die seltene Pracht. Ein Besuch im Winter lohnt sich - der Schnee knirscht unter den Schuhsohlen, die Parklandschaft strahlt eine herrliche Ruhe aus, viele Tiere können in ungewohnter Schneepracht beobachtet und fotografiert werden. 

17.11.23: Zebrafohlen Edgar erkundet die Afrikasavanne

Vor einer Woche, in der Nacht von Freitag auf Samstag, brachte die Damara-Zebrastute Malaika ihr mittlerweile achtes Fohlen zur Welt. Dieses konnte bereits tierärztlich untersucht und gechippt werden. Einen Namen erhielt der kleine Hengst auch: Edgar, wie der tags zuvor geborene Sohn einer Tierpflegerin der Afrikasavanne.

Neben Edgar und seiner Mutter Malaika leben auf der Anlage noch zwei weitere Damara-Zebras, Marca, Malaikas Mutter, und deren einjährige Tochter Kibeti. Edgar hat in den letzten Tagen nicht nur seine kleine Herde kennengelernt, sondern auch die anderen Mitbewohner der Afrikasavanne: Rappenantilopen, Impalas und Strauße.

Damara-Zebras sind eine Unterart der Steppenzebras und gehören zur Familie der Pferde. Typisch für Damara-Zebra sind die sogenannten Schattenstreifen. Diese sitzen zwischen den typischen dunkelbraunen bis schwarzen Streifen. Wie andere Zebras auch, haben die Damara-Zebras, jedes für sich, ein ganz eigenes Fellmuster – ähnlich dem Fingerabdruck eines Menschen.

Damara-Zebras sind – wie alle anderen Zebras auch – sehr soziale Tiere, die in kleinen Familienverbänden oder größeren Herden leben. Es gibt keine feste Paarungszeit. Die Damara-Zebras sind das ganze Jahr über in der Lage sich fortzupflanzen. Nach einer Tragzeit von etwa 12 Monaten bringt das Weibchen in der Regel ein Junges mit einem Gewicht von etwa 30 kg zur Welt. Gleich nach der Geburt versucht das Junge aufzu­stehen und kurz danach ist es schon in der Lage, seiner Mutter zu folgen. Die Lebens­erwartung in der Natur liegt bei etwa 20 Jahren, in menschlicher Obhut können Sie 30 bis 40 Jahre alt werden.

Die Heimat des Damara-Zebras ist Südangola, Namibia und das nordwestliche Afrika. Als Lebensraum dienen die weiten Savannen und Halbwüsten, aber immer in Wasser­nähe. Auch wenn für das Damara-Zebra keine unmittelbare Bedrohung besteht, ihr Bestand wird auf rund 100.000 Tiere geschätzt, leben diese Tiere nicht gefahrlos. Ihr Lebensraum wird zerstört und sie werden bejagt. Ein naher Verwandter der Damara- und Steppenzebras, das Quagga ist aufgrund von Bejagung und Lebensraumverlust bereits vor über hundert Jahren ausgestorben.  

09.11.23: Heimischer Artenschutz: Steinkauzpaar bereichert die Waldrapp-Voliere

Nach einem Monat in der Quarantäne war es heute endlich soweit: Ein junges Steinkauzpaar ist heute in die Voliere zu den ebenfalls stark gefährdeten Waldrappen eingezogen. Die Erfurter Nachzuchten dieser possierlichen Eulen werden künftig über ein Thüringer Auswilderungsprogramm helfen, den heimischen Steinkauzbestand zu stabilisieren.

Auf den ersten Blick mag es unwahrscheinlich klingen, aber der Steinkauz ist in Ge­fahr. In Deutschland steht der Steinkaut mit einem Bestand von etwa 6.000 Brutpaaren auf der Roten Liste und gilt als stark gefährdet. Erfolge von Schutzmaßnahmen lassen jedoch Hoffnung für den Steinkauz aufkommen. Eines davon betreut zum Beispiel der Landschaftspflegeverband „Thüringer Grabfeld e. V., das von 2012 bis 2018 durch den Freistaat Thüringen geförderte Projekt „Unterstützung der Wiederbesiedlung des Thüringer Grabfeldes durch den Steinkauz“. Auch wenn die Förderung geendet hat, das Engagement geht weiter.

Der Steinkauz (Athene noctua) gilt als Leitart offener Kulturlandschaft und ist beson­ders in Streuobstwiesen und Kopfweidenreihen heimisch. In weiten Teilen Mittel­europas sind die Populationen im rückläufig, vom Aussterben bedroht oder schon ganz verschwunden. Der Rückgang des Steinkauzes setzte in Thüringen schon in den 1970er Jahren ein, in vielen Regionen Deutschlands ist bzw. war die Art gänzlich ver­schwunden. Um dieser Entwicklung gegenzusteuern, werden einerseits Brutröhren in Streuobstwiesen und anderen geeigneten Gebieten für eine natürliche Wiederbe­siedlung angeboten. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Auswilderungsprojekte.

„Wir freuen uns sehr, zukünftig mit der Nachzucht eines eigenen Brutpaares die hei­mischen Steinkauzvorkommen zu unterstützen, den Besucherinnen und Besuchern des Zooparks Wissen über bedrohte heimische Tierarten zu vermitteln und selbst zum Artenschutz beizutragen“, sagt Tierarzt und Kurator Dr. Kay Schwecht. Die Stein­käuze im Thüringer Zoopark Erfurt stammen aus einer privaten Zucht. „Wenn alles planmäßig läuft, kann sich der Zoopark künftig mit jährlich drei bis fünf Jungtieren an der Wiederansiedelung in Thüringen beteiligen.“

Als Standvogel bleibt der Steinkauz das ganze Jahr über in sei­nem Revier. Tagsüber verweilt diese, mit einem Gewicht von rund 200 Gramm ausgesprochen, kleine Eulen­art gerne auf exponierten Aussichtswarten. Der aufmerksame Beobachter wird dem Steinkauz also durchaus begegnen. Auf dem Speiseplan des Steinkauzes stehen Feldmäuse, Insekten und kleinere Vögel aber auch Amphibien und Schlangen.

Was den Steinkäuzen zu schaffen macht sind einerseits schwindende Lebensräume, die mit mangelnden Nistmöglichkeiten und einem schwindenden Futterangebot ein­hergehen. Andererseits hat diese kleine Eule, wie andere Eulen und Greifvögel auch, damit zu kämpfen, dass ihre Nahrung mit Giftködern bekämpft wird. Giftködern fallen nicht nur Mäuse und Ratten zum Opfer, sondern auch deren Jäger, für die die geschwächten Tiere eine leichte, aber verhängnisvolle Beute sind.

26.10.23: Es wird unheimlich & schaurig: Halloween im Thüringer Zoopark Erfurt

Am 31. Oktober lädt der Zoopark Erfurt zum großen Halloween-Fest mit schaurig-schönen Besonderheiten. Die Besucher erwarten viele Überraschungen wie Kürbisschnitzen, Tier-Wanderungen, der Wald des Schreckens, furchteinflößende Fabelwesen und hautnahe Begegnungen mit verschiedenen Zoo-Bewohnern.

Seit Anfang Oktober verwandelt unser Gärtnerteam den Zoopark in eine gespensti­sche Halloween-Meile: riesige Spinnen, Skelette die Schatztruhen bewachen oder am Wegesrand ihr Lager aufgeschlagen haben, brodelnde Hexenkessel sowie unzählige Gespenster und Fledermäuse schmücken bereits heute den Zoopark. Am 31. Oktober gibt es darüber hinaus ein großes Fest, zu dem wir herzlich einladen.

Nicht nur viele unserer Zoo-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden in die Kostüm­kiste greifen, auch die Besucherinnen und Besucher sind herzlich eingeladen, sich zu verkleiden – für den eigenen Spaß und zur Freude der anderen Halloween-Fans. Das Gute daran: alle Kinder im Kostüm erhalten am 31. Oktober freien Eintritt. 

Doch nicht nur optisch wird das Fest ein Hingucker. Den ganzen Tag über kann man in der Zooschule und im Elefantenhaus Gespenster-Schrecken, andere Krabbeltiere und Schlangen hautnah erleben. Einer der Höhepunkte ist die Riesenkürbis-Fütterung bei den Elefanten. Um 13:30 Uhr wird die Rüsselfamilie mehrere Riesenkürbisse nicht ein­fach nur verspeisen, sondern zuvor auf ihre Standfestigkeit prüfen. Zooführungen für Kids, Wanderungen mit Ponys und Esel sowie Einblicke hinter die Kulissen runden das tierische Angebot ab. Wer möchte, kann gegen ein kleines Entgelt selbst kreativ werden und einen Kürbis für zu Hause schnitzen. Auf der Bühne treten unter anderem die Kinder-Quatsch-Band und die Trommelgruppe der Musikschule Erfurt auf.

Nichts für schwache Nerven ist der Wald des Schreckens. Hier wird ein besonders gruseliges Süppchen gekocht; bestehend aus humorvoller bis schauriger Dekoration, stimmungsvoller Illumination, gespenstischem Sound und kostümierten Wächtern. Im Wald wie auf dem gesamten Zooparkgelände werden außerdem die Fabelwesen vom Kyffhäuser ihr Unwesen treiben.

Hinweis: Am 31. Oktober verlängert der Zoopark seine Öffnungszeiten bis 19 Uhr. Jahreskarten behalten bei dieser Veranstaltung ihre Gültigkeit. Am 31. Oktober wer­den keine neuen Jahreskarten ausgestellt oder verlängert, wir bitten vielmals um Verständnis. Tageskarten können vor Ort an der Zookasse oder online erworben wer­den. Um Wartezeiten an der Zookasse zu vermeiden, empfehlen wir Ihnen die Tageskarten online zu kaufen.

11.10.23: Der Waldrapp – eine Erfolgsgeschichte der Wiederansiedlung

Den Einzug vier neuer Waldrappe möchten wir zum Anlass nehmen, über diese besonderen Vögel und ihre erfolgreiche Wiederansiedlung zu berichten. Mit den vier dreijährigen Nachzuchten aus Ungarn, leben nunmehr 13 Vertreter dieser stark gefährdeten Art in Erfurt.

Der stark gefährdete Waldrapp ist eine Art, die hauptsächlich aus Artenschutzgründen im Zoo gehalten wird. Einerseits geht es darum, langfristig eine ex situ-Reservepopu­lation zu erhalten, weil der Wildbestand klein und auf wenige Orte lokalisiert ist. An­dererseits beteiligen sich zahlreiche Zoos an Forschungs- und Wiederansiedlungspro­jekten.

Der zur Familie der Ibisse zählende Waldrapp ist eine ehemals in Mitteleuropa hei­mische, erst verschollene, dann im Nahen Osten wiederentdeckte Art. Die Vorkommen des Waldrapps (Geronticus eremita) sind stark begrenzt: Es gibt eine alteingesessene Populationen in Marokko, eine halbwilde Population in Birecik (Türkei) sowie Wieder­ansiedlungsprojekte in Spanien, Österreich, Bayern und Baden-Württemberg. Das Über­winterungsgebiet der deutsch-österreichischen Kolonien liegt in der italienischen Laguna di Orbetello.

Der Waldrapp gehört zu den stark bedrohten Tierarten (Rote Liste) und wurde lange als vom Aussterben bedroht eingestuft. Die 2018 vorgenommene Rückstufung wurde dank intensiver Schutz- und Managementmaßnahmen möglich. Neben einer weniger als 300 adulte Wildvögel zählenden Reliktpopulation im Westen des Mittelmeerraums, exis­tieren einige halbwilde Populationen und eine Reservepopulation in Zoos, die über 1000 Vögel umfasst. Eine Beurteilung aus dem Jahr 2020 stuft die europäische Popula­tion immer noch als regional ausgestorben ein und begründet dies damit, dass die ausgewilderten Populationen noch nicht vollständig selbsterhaltend seien.

Durch ausgeklügelte Aufzuchtprogramme konnten Anfang 2022 knapp 200 Vögel in den Auswilderungspopulationen im europäischen Alpenraum nachgewiesen werden. Auch in Erfurt gezüchtete Vögel konnten bereits erfolgreich ausgewildert werden. Damit die per Hand und in Volieren aufgezogenen Waldrappe die Route in ihr Winter­quartier finden, zeigen ihnen die "Ziehmütter" per Leichtflugzeug den gut 1.000 km langen Weg. Die kleine Kolonie im Erfurter Zoopark ist Teil der Reservepopulation. Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für den Waldrapp wird seit 1988 vom Al­penzoo Innsbruck geführt, die Auswilderung erfolgt unter anderem über die Stiftung Europäisches Naturerbe sowie das EU-Projekt "Reason for Hope – Reintroduction oft he Northern Bald Ibis in Europe".

Die Waldrapp-Anlage im Thüringer Zoopark Erfurt ist begehbar, meist sitzen die optisch eindrucksvollen Vögel in der Felswand oder auf den weit oben angebrachten Sitzstangen. Der Waldrapp erreicht eine Gesamtlänge von bis zu 80 cm und eine Flügelspannweite von bis zu 135 cm. Auffällig sind der unbefiederte Kopf und die schopfartig verlängerten Nachfedern, das Gefieder ist schwarz mit metallischem Glanz.

Natürliche Hauptnahrung des Waldrapps sind Insekten und deren Larven, Ameisen­eier, Spinnen, Skorpione, Würmer sowie kleine Reptilien und Amphibien, gelegentlich Kleinsäuger und Vögel. Der Waldrapp erreicht ein Alter von 25 bis 30 Jahren und bleibt auch bis ins hohe Alter brutaktiv. Die Jungen werden mit 3 Jahren geschlechtsreif, gelangen aber meist erst mit 6 Jahren zur Fortpflanzung.

Wer für einen unserer Waldrappe eine Patenschaft übernehmen möchte ist herzlich willkommen und kann eine Patenschaft zu einem Grundbetrag von 175 Euro über die Thüringer Zoopark-Stiftung abschließen: www.zooparkstiftung-erfurt.de/tiere/waldrapp-ibis.

08.10.23: Nachwuchs auf dem Bauernhof – Thüringer Waldesel und Hinterwälder Rind

Mitte September haben wir über Instagram nach einem Namen für den kleinen Thüringer Waldeselhengst gesucht, der am 16. September geboren wurde. Enno, Erwin und Egon standen zur Auswahl, mit fast 50 Prozent Zustimmung wurde der Name Enno gewählt; und damit ein Name, der sehr gut mit dem Namen der 2007 in Erfurt geborenen Mutter harmoniert, mit Emma.

Der Thüringer Waldesel, auch Mülleresel genannt, ist seit 2019 eine anerkannte Rasse. Die Vertreter der Mittelesel sind für ihr ruhiges Gemüt bekannt und bei unseren Besuchern sehr beliebt. Enno ist neugierig und täglich mit seiner Mutter und den anderen Eseln auf der Koppel zu erleben.

Am selben Tag wurden vier Wollschweine geboten, über die wir bereits berichtet haben. Jüngster Nachwuchs auf dem Bauernhof ist ein kleiner Hinterwälder Rinderbulle. Noch liegt das Jungtier viel im Offenstall und ruht, aber mit jedem Tag wird der kleine Bulle neugieriger. Hinterwälder Rinder sind eine bedrohte, selten gewordene Rasse. Sie stammt ursprünglich aus dem Südschwarzwald und hat ein sehr ruhiges und umgängliches Gemüt. Damit sind sie ideal für einen Schaubauernhof geeignet.